Der Februar 2026 bringt für HR-Verantwortliche ein gemischtes Bild: Die Wirtschaftsstimmung hellt sich erstmals seit Monaten auf, während gleichzeitig die Wechselbereitschaft der Beschäftigten auf ein historisches Tief sinkt. Wir fassen die wichtigsten HR-News des Monats zusammen.
ifo Geschäftsklima: Erste Signale einer Belebung
Eine erfreuliche Nachricht zum Monatsende: Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im Februar auf 88,6 Punkte – nach 87,6 im Januar. Das markiert das höchste Niveau seit August 2025 und gilt als erstes Signal einer konjunkturellen Belebung in Deutschland.
Die Details:
- Verarbeitendes Gewerbe: Bessere Lagebeurteilung, Auftragslage zieht an, Produktionspläne nach oben korrigiert
- Dienstleistungssektor: Geschäftsklima verbessert, besonders die Erwartungen hellen sich auf
- Logistik: Geschäftsklimaindikator legt deutlich zu
- Bauhauptgewerbe: Setzt Erholung fort – Auftragslage verbessert sich, wenn auch langsam
Was das für HR bedeutet: Vorsichtiger Optimismus ist angebracht. Wer jetzt in Employer Branding und Mitarbeiterentwicklung investiert, positioniert sich für die erwartete moderate Erholung im weiteren Jahresverlauf.
Wechselbereitschaft auf historischem Tiefstand
Eine aktuelle Langzeitstudie von forsa im Auftrag von XING zeigt: Nur noch 34 % der Beschäftigten in Deutschland sind offen für einen Jobwechsel – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2019. Im Vergleich: 2022 waren es noch 39 %, 2024 immerhin 37 %.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Nur 8 % suchen aktiv nach einem neuen Job – 26 % sind lediglich passiv offen
- 58 % der Befragten wählen lieber „sicher und langweilig" als „spannend aber riskant"
- 84 % sind mit ihrer aktuellen Stelle zufrieden
- Gleichzeitig zeigt der Gallup Engagement Index: Nur 9 % haben eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber – der schlechteste Wert seit über zehn Jahren
Das Paradox: Beschäftigte bleiben – aber ohne echte Begeisterung. Für HR ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Mitarbeiterbindung allein reicht nicht. Es braucht aktives Engagement-Management, um aus bloßem Verbleiben echte Motivation zu machen.
HiBob HR Health Check: HR wird strategisch wichtiger
Die aktuelle Studie „HR Health Check" von HiBob zeigt eine erfreuliche Entwicklung: HR-Abteilungen haben sich in vielen deutschen Unternehmen zu einer strategisch relevanten Funktion entwickelt. Personalverantwortliche werden zunehmend als Sparringspartner der Geschäftsführung wahrgenommen – nicht mehr nur als Verwaltungseinheit.
Für KMUs bedeutet das: Wer HR professionalisiert, gewinnt nicht nur intern an Einfluss, sondern auch extern als attraktiver Arbeitgeber. Digitale HR-Software und strukturierte Prozesse sind dabei der Schlüssel.
Arbeitsmarkt: Demografischer Kipppunkt erreicht
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert für 2026 erstmals einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials – um rund 35.000 Personen. Das klingt nach wenig, markiert aber eine historische Zäsur: Ab jetzt schrumpft die verfügbare Arbeitsbevölkerung in Deutschland Jahr für Jahr.
Gleichzeitig sind laut Bundesagentur für Arbeit im Februar 3,07 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – die Arbeitslosenquote liegt bei 6,5 %. Das schwierige konjunkturelle Umfeld lässt noch keine Erholung am Arbeitsmarkt zu.
Was das für HR bedeutet: Der Wettbewerb um Talente bleibt trotz schwacher Konjunktur intensiv. Active Sourcing und langfristige Mitarbeiterbindung werden zur strategischen Pflicht – nicht zur Kür.
EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Die Uhr tickt
Bis zum 7. Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Ein erster Referentenentwurf wurde für Anfang 2026 angekündigt. Die Auswirkungen auf HR sind erheblich:
- Berichtspflichten gelten künftig bereits für Unternehmen ab 100 Beschäftigten
- Arbeitgeber müssen Bewerber:innen das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne kommunizieren
- Mitarbeitende können Informationen über Entgelte vergleichbarer Positionen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht – anfordern
Für KMUs, die bisher wenig Erfahrung mit strukturierten Vergütungssystemen haben, besteht jetzt dringender Handlungsbedarf. Mehr dazu im Lexikon-Artikel zu Equal Pay.
Ausblick: Das steht im März an
- Bundestagswahl-Nachgang: Die neue Bundesregierung formiert sich – arbeitsmarktpolitische Weichenstellungen werden erwartet
- Tarifverhandlungen: Mehrere Branchen befinden sich in laufenden Verhandlungsrunden
- Zeiterfassungspflicht: Die gesetzliche Ausgestaltung der verpflichtenden elektronischen Zeiterfassung bleibt ein Dauerthema
Fazit
Der Februar 2026 zeigt: Erste konjunkturelle Lichtblicke treffen auf strukturelle Herausforderungen. Für HR-Verantwortliche bedeutet das vor allem: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Prozesse zu modernisieren, Engagement aktiv zu fördern und sich rechtzeitig auf neue gesetzliche Anforderungen vorzubereiten. Wer heute in starke Unternehmenskultur und digitale HR-Strukturen investiert, ist für die kommenden Monate gut aufgestellt.
