Die Geburt eines Kindes ist ein Lebenswendepunkt – finanziell wie persönlich. Das Elterngeld soll Eltern ermöglichen, in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes Zeit für die Betreuung zu nehmen, ohne sofortige finanzielle Einbußen zu erleiden. Doch wie hoch ist es? Wie lange wird es gezahlt? Und was ist der Unterschied zwischen Basiselterngeld und ElterngeldPlus? Dieser Beitrag beantwortet alle wichtigen Fragen.
Was ist Elterngeld? Definition
Elterngeld ist eine staatliche Einkommensersatzleistung für Eltern, die nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder reduzieren. Es wird durch das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) geregelt und über die zuständigen Elterngeldstellen der Bundesländer ausgezahlt. Elterngeld ist keine Sozialleistung im engeren Sinne, sondern eine Familienleistung – unabhängig vom Einkommen, aber einkommensabhängig in der Höhe.
Wer hat Anspruch auf Elterngeld?
Elterngeld erhalten Eltern, die:
- ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben
- mit dem Kind in einem Haushalt leben und es selbst betreuen
- nicht mehr als 32 Stunden pro Woche erwerbstätig sind
- ein zu versteuerndes Jahreseinkommen unter 300.000 Euro (Paare) bzw. 250.000 Euro (Alleinerziehende) haben
Den Anspruch haben beide Elternteile – unabhängig davon, ob sie verheiratet sind, ob sie zusammenleben oder ob einer der beiden im Ausland arbeitet.
Basiselterngeld: Höhe und Dauer
Das Basiselterngeld wird monatlich ausgezahlt und beträgt:
- 65–67 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt
- Mindestens 300 Euro pro Monat (auch für Eltern ohne eigenes Einkommen)
- Maximal 1.800 Euro pro Monat
Die 67 % gelten für Eltern mit einem Nettoeinkommen bis 1.240 Euro/Monat. Bei höherem Einkommen sinkt der Prozentsatz schrittweise auf 65 %.
Bezugsdauer
- Insgesamt stehen pro Kind 14 Basiselterngeld-Monate zur Verfügung
- Jeder Elternteil kann mindestens 2 und maximal 12 Monate beziehen
- Die 2 zusätzlichen Monate (Partnermonate) gibt es nur, wenn auch der andere Elternteil mindestens 2 Monate Elterngeld bezieht
ElterngeldPlus: Flexibler und länger
ElterngeldPlus ist eine Alternative zum Basiselterngeld für Eltern, die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten möchten:
- Beträgt maximal die Hälfte des Basiselterngelds
- Wird dafür doppelt so lange gezahlt – aus einem Basiselterngeldmonat werden zwei ElterngeldPlus-Monate
- Besonders attraktiv in Kombination mit dem Partnerschaftsbonus: 4 zusätzliche ElterngeldPlus-Monate, wenn beide Elternteile gleichzeitig 24–32 Stunden/Woche arbeiten
Elterngeld und Steuern
Elterngeld ist selbst steuerfrei – unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Das Elterngeld erhöht den Steuersatz, der auf andere Einkünfte (z. B. Arbeitslohn) angewendet wird. Eltern, die im selben Jahr sowohl Arbeitslohn als auch Elterngeld beziehen, müssen daher eine Steuererklärung abgeben.
Elterngeld beantragen: So geht es
- Antrag bei der zuständigen Elterngeldstelle des jeweiligen Bundeslandes stellen
- Rückwirkend für maximal 3 Monate möglich – daher frühzeitig beantragen
- Benötigte Unterlagen: Geburtsurkunde, Einkommensnachweise, Bescheinigung des Arbeitgebers über Elternzeit
- Bearbeitungsdauer: in der Regel 4–8 Wochen
Häufige Fragen (FAQ)
Bekomme ich Elterngeld, auch wenn ich nicht gearbeitet habe?
Ja – der Mindestsatz von 300 Euro pro Monat steht allen anspruchsberechtigten Eltern zu, auch ohne vorheriges Erwerbseinkommen (z. B. Studierende, Arbeitssuchende).
Kann ich Elterngeld und Teilzeit kombinieren?
Ja – bis zu 32 Stunden pro Woche ist Erwerbstätigkeit während des Elterngeldbezugs erlaubt. ElterngeldPlus ist dabei besonders attraktiv, da es den Teilzeitverdienst besser berücksichtigt.
Wird Elterngeld auf Hartz IV / Bürgergeld angerechnet?
Seit 2011 wird Elterngeld auf Sozialleistungen angerechnet – mit Ausnahme des Mindestbetrags von 300 Euro, der anrechnungsfrei bleibt.
Fazit: Elterngeld frühzeitig planen
Elterngeld ist eine wichtige finanzielle Stütze in den ersten Lebensmonaten eines Kindes. Die Kombinationsmöglichkeiten aus Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus bieten Flexibilität – erfordern aber eine sorgfältige Planung. Arbeitgeber sollten Mitarbeitende frühzeitig über die Möglichkeiten informieren und den Elternzeitantrag reibungslos begleiten.
